Heutzutage gibt es nach wie vor in Deutschland eine Vielzahl von Studentenverbindungen, seit einigen Jahren auch reine Frauenverbindungen.
Die herkömmlichen Prinzipien, vor allem das des „Lebensbundes“, werden auch heute noch aufrechterhalten. Das Lebensbund-Prinzip besagt, dass alle Mitglieder der Verbindung auch nach Beendigung des Studiums den jüngeren helfen und beiseite stehen – sei es finanziell, moralisch oder durch Ratschläge. Allen existierenden Studentenverbindungen gemein sind die Liebe zur Tradition und das zumeist etwas konservative Weltbild. Trotzdem fühlen sich auch heute noch viele Studierende zu diesen Verbindungen hingezogen, da sie auch ein sicheres soziales und manchmal auch finanzielles Netzwerk bedeuten.
Das Leben in der Studentenverbindung ist heute gemäß des Conventsprinzips organisiert. Das bedeutet, dass die Verbindung autonom und basisdemokratisch agiert. Ein weiteres typisches Merkmal der Verbindungen neben Lebensbund und Conventsprinzip sind die „Comments“ – spezifische Regelwerke, die das Zusammenleben weiterhin organisieren. Trotz der vorhandenen Unterschiede zwischen den einzelnen Verbindungen sind genannte Charakteristika allen gleich und sollen vor allem dazu dienen, lebenslange Freundschaften, Kontakte und generell die Vernetzung der Generationen zu gewährleisten.
Um das Vokabular einer Studentenverbindung zu verstehen, braucht man heutzutage fast ein Wörterbuch: Zu viele Begriffe haben historische Bezüge, die in der heutigen Sprache nicht mehr zuzuordnen sind. Da werden alle Nicht-Corps-Studenten – also Studenten, die einer Landsmann-, Sänger- oder Turnerschaft angehören – als „Buxen“ bezeichnet und die Corps-Studenten im Gegenzug als „Currys“ betitelt. An diesem Vokabular ist auch leicht zu erkennen, dass Tradition einer der wichtigsten Bindungsfaktoren ist – viel hat sich im Vergleich zur Vergangenheit nicht geändert. Hieraus entstehen auch häufig die Faszination und das Interesse an Verbindungen, auch von Seiten jüngerer Studenten.
Auch wenn die Studentenverbindungen ein männlich dominiertes Phänomen sind, existieren heute mehr und mehr auch Damenverbindungen. Zwar bildeten sich schon seit dem Zeitpunkt, seit dem die ersten Frauen an Universitäten zugelassen wurden – gegen Ende des 19. Jahrhunderts – auch die ersten Damenverbindungen – der eigentliche Run aber erfolgte erst in diesem Jahrtausend wie unter anderem Spiegel Online berichtet.
Die Kontroversen, die Studentenverbindungen auslösen, sind nach wie vor zahlreich: von der Frage der „schlagenden“ Verbindungen, deren Aufnahmeritual einen Fechtkampf mit scharfen Waffen vorsieht, bis hin zu den hierarchischen Strukturen, dem Vorwurf der Seilschaftsbildung, einem häufig antiquierten Frauenbild oder rechtsextremen Tendenzen. Studierende, die sich weitergehend über Studentenverbindungen, ihre Geschichte und ihre Codes informieren möchten, sind bei Wikipedia oder Planet Wissen als Einstiegslektüre gut aufgehoben.
