Wenn die Studenten-WG auf die Couch muss

Rosenkriege, die auf der Couch des Psychologen enden, kennt man normalerweise nur von lange verheirateten Ehepaaren oder familiären Erbstreitigkeiten. Doch auch bei der beliebtesten Wohnform von Studenten – der Wohngemeinschaft – gibt es manchmal unlösbare Zwistigkeiten, bei denen nur noch ein Vermittler helfen kann. Die neueste Lösung dieser Probleme heißt WG-Psychologe: Dieser hilft immer dann, wenn verschimmelte Mandarinen im Kühlschrank, sich stapelndes Geschirr und nächtliche Musikbeschallung zu scheinbar unlösbaren Konflikten führen.

Unabhängig davon, ob man in seiner ersten Studenten-WG wohnt oder bereits über fünf Jahre WG-Erfahrung verfügt, mit Freunden zusammenzieht oder die neuen WG-Mitbewohner Fremde sind: Überall dort, wo Menschen zusammenleben, entwickeln sich Konflikte. Das fängt bei unterschiedlichen Hygienevorstellungen an und endet bei unter Umständen mangelnder Rücksicht auf die eigene Lautstärke, wenn der andere gerade seine Abschlussarbeit schreibt. Manche WGs lösen solche Probleme über Putzpläne und regelmäßige offene Aussprachen oder auch einen echten Streit, nach dem man sich wieder versöhnen kann.

Deine verschimmelte Mandarine, meine laute Gitarre: Der WG-Psychologe hilft

Wenn die Versöhnung ausbleibt, die Kommunikation nicht funktioniert oder jemand einfach schlechter darin ist, seine Bedürfnisse den anderen gegenüber zu artikulieren, bleiben nur noch zwei Möglichkeiten: der Auszug oder der WG-Psychologe, wie SPIEGEL ONLINE schreibt. Dieser versucht in Einzel- und Gruppengesprächen Regeln zu vereinbaren, mit denen alle WG-Mitbewohner leben können, die Kommunikation aufzubauen und dort zu schlichten, wo die Fronten verhärtet sind.

Eine häufige Argumentation der Streithähne ist beispielsweise, dass, wenn die Musik mal wieder zu laut ist oder das Üben auf der Gitarre stört, die Mitbewohner ja einfach Bescheid sagen können. Der Psychologe hingegen argumentiert, dass man damit ein potentiell eigenes Problem den anderen aufbürde: Die Mitbewohner müssen sich beschweren, anstatt dass man selber Rücksicht nimmt und vereinbart, wann Musik oder Instrumente stören und wann nicht.

Generell gilt: Eine WG ist kein Familienersatz – Eltern oder Geschwister verzeihen die eigenen Macken leichter oder sind schlichtweg dran gewöhnt. Auch bei WGs, die gut funktionieren, sollte man sich immer über seine eigene Rolle bei der Wohngestaltung bewusst sein und Rücksicht auf die Bedürfnisse der anderen nehmen, so wie diese Rücksicht gegenüber einem selbst üben. Im Idealfall übernimmt der eine dann auch mal häufiger den Abwasch, wenn der andere gerade seine Abschlussarbeit schreibt und im Stress ist – und umgekehrt.

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