Das britische Traditionsboulevardblatt „News of the World“ ist nach dem Abhörskandal nun in letzter Auflage erschienen. Zu groß war der Druck, nachdem herausgekommen war, dass mehrere Tausende Handys angezapft worden waren – unter ihnen die von Ex-Premierminister Gordon Brown und Kronprinz William. Selbst das Mobiltelefon eines ermordeten Mädchens soll so manipuliert worden sein, dass Eltern und Polizei davon ausgingen, es sei noch am Leben, wie die Financial Times Deutschland schreibt.
Der Skandal weitete sich immer weiter aus und Rupert Murdoch, Mogul des gleichnamigen Medienimperiums, zog die Konsequenzen durch die Einstellung des Blattes nach 168 Jahren. Dass die Mitarbeiter davon nicht eben begeistert waren, muss sich auch Verlagschefin Rebekah Brooks gedacht haben. Sie gab die Anweisung, die letzte Ausgabe des Blattes „mit der Zahnbürste“ Korrektur zu lesen – wohl in weiser Voraussicht, dass die nun arbeitslos gewordenen Journalisten den Chefs noch eins auswischen würden.
Die „Methode Zahnbürste“, wie wissen.de schreibt, hat sich nur teilweise ausgezahlt: Obwohl die Texte der Zeitung sauber blieben, hatten die Korrekturleser nicht an die Rätselseite am Ende der Zeitung bzw. an das dort vorhandene Kreuzworträtsel gedacht. Das war dann dementsprechend gespickt mit Anspielungen nicht eben belustigter Redakteure. Im „Quickie Crossword“ wurde nach Wörtern gefragt wie „criminal enterprise“, „catastrophe“ oder der Verlagschefin selbst, „Brooks“, mit dem Hinweis „woman stares wildly at calamity“.
8.674 Ausgaben lang, schreibt die Readers Edition, hatte die „News of the World“ Bestand – inklusive der Häme, Sensationsgier und Enthüllungen, die ihren tiefen Fall schlussendlich besiegeln sollten. Zumindest hatten die Briten am Ende durch das verpatzte Korrekturlesen etwas zu lachen und die Redakteure die Lacher wenigstens auf ihrer (letzten) Seite.
