Das Studium als „Mysterium“

Seit im Zuge des Bologna-Prozesses nun die neuen Abschlüsse „Bachelor“ und „Master“ flächendeckend in die deutschen Unis Einzug gehalten haben, beklagen sich immer mehr Studenten nicht nur über eine zunehmende Verschulung mit weniger wissenschaftlicher Freiheit, sondern darüber, wie kompliziert und unüberschaubar das Studienangebot bereits für Studienanfänger sei.

So hätten nach einer Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) nur 7 Prozent der studienberechtigten Schulabgänger keine Schwierigkeiten bei ihrer Studienfachwahl, rund ein Drittel stufe den Informationsstand über nachschulische Bildungsmöglichkeiten als unzureichend ein.

Mit der Umstellung auf Bachelor und Master ist die Zahl der Studienangebote auf ca. 15.000 gestiegen, wovon sich viele angehende Erstsemester verständlicherweise überfordert fühlen. Es gibt in Deutschland, wo Hochschulangelegenheiten Ländersache sind und demzufolge die ganze Hochschullandschaft zersplittert ist, keine zentrale Anlaufstelle, die einen Gesamtüberblick über das Studienangebot in Deutschland vermittelt, sodass vielen „das Studium als Mysterium“ erscheint.

Ein Grund für das komplizierter gewordene Angebot und die zunehmende Verwirrung der Studenten ist das Streben der Universitäten, im Zuge von Forschungskonkurrenz und „Exzellenzinitiative“ immer neue Abschlüsse zu kreieren. So gibt es anstelle des früheren BWL-Diplomstudiengangs nun verschiedenste Business-Abschlüsse, die sich aber inhaltlich nicht wesentlich voneinander unterscheiden.

Als ebenfalls problematisch stuft der Sprecher des Deutschen Hochschulverbandes, Matthias Jaroch, die zunehmende Vermassung an den Unis ein, d.h., immer mehr Abiturienten drängen in die Hochschulen: 1970 erlangten 11 Prozent eines Jahrgangs die Studienberechtigung; heute sind es 45 Prozent. Da stellt sich die berechtigte Frage, ob wirklich alle Studienanfänger geeignet für ein wissenschaftliches Studium bzw. überhaupt glücklich damit sind.

Es fehlt aber auch eine angemessene Vorbereitung auf die Studien- und Berufswahl in den Schulen. Hier beklagen laut einer Umfrage des HIS unter angehenden Studenten 71 Prozent, dass der nachschulische Werdegang kein Thema im Schulunterricht gewesen sei.

Aber der Münchner Studienberater Muschol hat natürlich recht, wenn er die neuen Studenten zur Ruhe und Gelassenheit ermahnt, auch wenn ihnen oft der Durchblick fehlt: „Niemand erwartet, dass man mit 18 Jahren den Verlauf seiner Karriere bis zur Rente festlegt.“ Im Gegenteil – wie wir schon in unserem Beitrag „Nach dem Studium ist vor dem Studium“ festgestellt haben, schätzen Unternehmen durchaus auch Brüche in einem Lebenslauf, der nicht immer nach Plan A verlaufen muss. Das Bachelor-Master-System mit seinen zeitlich wie thematisch eng gesteckten Grenzen macht es allerdings den Studenten verdammt schwer, sich solche Brüche zu leisten, wollen sie ihr Studium erfolgreich meistern. Aus diesem Dilemma zwischen straightem Studium und möglichst viel Lebens- und Praxiserfahrung neben dem Studium muss jeder Student und jede Studentin seinen/ihren eigenen Weg finden! (Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 7.8.2011)

Hilfreiche Tipps und Infos zur Studien- und Berufswahl

www.hochschulkompass.de,
www.studienwahl.de,
www.was-studiere-ich.de,
www.studis-online.de/StudInfo/studieren.php,
www.studieren.de,
www.wege-ins-studium.de,
www.bildungsserver.de.

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