Rettet den Konjunktiv!

Der Konjunktiv erweist sich beim Korrekturlesen von Diplomarbeiten, Masterarbeiten oder Dissertationen als das größte Sorgenkind. Studenten wissen oft nicht, ob und wenn ja welcher Konjunktiv überhaupt wie angewendet wird, da er zusehends aus der Alltagssprache verschwindet. In der wissenschaftlichen Sprache, also beim Abfassen von Magisterarbeiten und Examensarbeiten, ist er aber nach wie vor unerlässlich.

Der Modus eines Verbs gibt nämlich zum einen Auskunft darüber, ob ein (unbestreitbares) Faktum oder die Position des Verfassers, also des Studenten selbst, wiedergegeben wird (dann steht der Indikativ), und zum anderen, ob die Ansicht eines anderen Autors/Wissenschaftlers wiedergegeben wird – dann steht der Konjunktiv I der indirekten Rede: "Diese Dissertation, so der Gutachter, enthalte viele formale und sprachliche Mängel und bedürfe daher eines umfassenden Lektorats und Korrekturlesens. Nur so werde die Arbeit zu retten sein."

Eine andere Funktion wiederum hat der Konjunktiv II (Eventualis). Er ist jener Konjunktiv, auf den sich der in der Überschrift ausgedrückte Wunsch nach einer (ästhetischen) Rettung des (alten) Konjuntivs bezieht, wie er etwa in dem schönen von Martin Luther übersetzten Bibelvers zum Ausdruck kommt: "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" Während von diesen drei Konjunktivformen nur noch Letzterer gebräuchlich ist, ersetzt man die beiden Ersteren heute durch das Hilfsverb "würde".

Als Faustregel sollte man sich merken – und so handhaben wir es auch beim Korrekturlesen der Dissertationen –, dass man den "echten" Konjunktiv auch stets dort verwendet, wo es ihn gibt und er durchaus noch gebrauchlich ist ("er bekäme, es gelänge, sie ginge") und ansonsten das unvermeidbare "würde" einsetzt, wo es zu altertümlich klingt ("er würde helfen" statt "er hülfe") oder gar kein solcher existiert ("er würde sagen, sie würde reden"), also bei den sog. regelmäßigen Verben.

Etwas verzwickt wird es da, wo sich Konj. I und II in die Quere kommen, was dann passiert, wenn der Konj. I der indirekten Rede mit dem Indikativ identisch ist. ("Der Gutachter der Dissertation sagt, dass seine Doktoranden nach einem professionellen Lektorat eine bessere Note bekämen"). Dann wird eben aus dem Singular ("er bekomme") im Plural (statt "sie bekommen") "sie bekämen".

Da man als Autor/Student beim Schreiben darauf nicht immer genau achtet, ist es stets sinnvoll, wenn ein professionelles Korrekturlesen hier genau auf die korrekte Verwendung des Konjunktivs achtet, um eine optimale sprachliche Qualität zu gewährleisten, wie sie nur ein Lektorat bieten kann.

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