5 Tipps, wie du deinen wissenschaftlichen Schreibstil verbesserst

Der Philosoph und Autor Artur Schopenhauer schrieb einst: „Und doch ist nichts leichter, als so zu schreiben, daß kein Mensch es versteht: wie hingegen nichts schwerer, als bedeutende Gedanken so auszudrücken, daß Jeder sie verstehen muß.“ Eine Weisheit, die bis heute gültig ist – besonders für wissenschaftliche Arbeiten.

Einige Wissenschaftsautoren meinen, eine komplizierte Sprache lasse sie besonders schlau wirken und unterstreiche ihre Expertise. Doch das Gegenteil ist der Fall: Es ist eine Kunst, komplizierte Sachverhalte einfach und auf den Punkt zu formulieren – und nur wer die Materie, über die er schreibt, von Grund auf versteht, wird das schaffen. Mach es dem Leser so einfach wie möglich, deinen Text zu verstehen. Sowohl Fachkollegen als auch Laien sollten in der Lage sein, deine wissenschaftliche Abhandlung zu verstehen. Wie du das schaffst, verraten wir dir in den folgenden 5 Tipps:

Tipp 1: Verwende eine neutrale, klare und griffige Sprache

Dein Text sollte nüchtern, distanziert und sachlich sein – schließlich schreibst du kein Gedicht, sondern eine wissenschaftliche Arbeit. Formuliere klare Sätze und formuliere immer nur einen Gedanken pro Satz:

    • Vermeide Geschwafel: Jeder Satz muss einen Sinn haben – entweder beinhaltet er eine Aussage, eine Verständnishilfe für den Leser oder er dient als verbindendes beziehungsweise einleitendes Element, das den Lesefluss erleichtert.
    • Reduziere Nebensätze auf ein Minimum: Setz öfter mal einen Punkt! Lange Schachtelsätze machen deinen Text unverständlicher und anstrengender zu lesen.
    • Vermeide Füllwörter: Gibt es Wörter in deinem Text, ohne die er genauso verständlich wäre? Häufig kannst du Füllwörter wie „auch“, „nämlich“, „gänzlich“ oder „geradezu“ streichen.
    • Vermeide Wertungen: In deiner Arbeit geht es um wissenschaftliche Erkenntnisse und nicht um deine Meinung – lass Wertungen außen vor. Zum Beispiel ist die Formulierung „Der enorme Anstieg der Teilnehmerzahl lässt sich dadurch erklären, dass …“ nicht objektiv. Besser formulierst du folgendermaßen: „Der Anstieg der Teilnehmerzahl um 50 Prozent lässt sich dadurch erklären, dass …“.
    • Formuliere aussagekräftige Überschriften: Feuilletonistische Überschriften, die dem Autor einen kunstvollen Umgang mit der Sprache attestieren, dem Leser aber wenig über den Inhalt verraten, haben in einer wissenschaftlichen Abhandlung nichts verloren. Versuche, deine Überschriften sowohl sachlich als auch griffig zu formulieren – betrachte sie als kleine Zusammenfassung des darauf folgenden Abschnitts. Das erleichtert dem Leser die Orientierung im Text. Und denk dran: Sachlich bedeutet nicht zwangsläufig trocken!

Tipp 2: Nutze den Verbalstil

Der Verbalstil ist im Gegensatz zum Nominalstil direkter und verständlicher. Er nutzt Verben, die die Sprache lebendig machen, statt vieler Nomen. Wenn du in deinem Text viele Wörter mit den Endungen -heit, -keit und -ung findest, nutzt du den Nominalstil wahrscheinlich zu häufig.

„Die Umsetzung der Maßnahme durch den Entscheider fand unter Berücksichtigung der Budgetvorgaben statt“ – Sätze wie diese sind gespickt mit Nominalisierungen und häufig in der Beamten- und Juristensprache zu finden. Doch es geht auch verständlicher: „Der Entscheider setzte die Maßnahme um, dabei berücksichtigte er das vorgegebene Budget.“

Tipp 3: Hüte dich vor Bandwurmwörtern

Auch sie sind, wie Nominalisierungen, im Juristen- und Amtsdeutsch besonders beliebt: aus drei oder mehr Begriffen zusammengesetzte Wortgefüge. Grundsätzlich ist es eine schöne Besonderheit der deutschen Sprache, dass wir Wörter fast beliebig zusammensetzen und somit neue Begriffe schaffen können. Damit solltest du es jedoch nicht übertreiben. Der Leser stolpert über Begriffe wie „Arzneimittelausgabenbegrenzungsgesetz“ oder „Telekommunikationsüberwachungsverordnung“. „Das Gesetz zur Begrenzung der Ausgabe von Arzneimitteln“ und die „Verordnung zur Überwachung der Telekommunikation“ sind leichter verständliche Ausdrücke.

Tipp 4: Setz Adjektive sparsam ein

Adjektive machen Sprache blumig und plastisch – was in der Unterhaltungsliteratur erwünscht ist, solltest du in wissenschaftlichen Texten vermeiden. Schließlich möchtest du, dass deine Ausführungen als seriös und sachlich angesehen werden. Meist sind Adjektive wertend: Zum Beispiel wenn von einer „großen Veränderung“ die Rede ist. Ob die Veränderung wirklich groß ist, soll der Leser selbst entscheiden – dafür lieferst du ihm am besten die entsprechenden Werte, zum Beispiel in absoluten Zahlen oder Prozent.

Manchmal werden Adjektive verwendet, um die Dramatik vermeintlich zu erhöhen: Die „dramatische Katastrophe“ oder der „heftige Platzregen“ brauchen die vorangestellten Eigenschaftswörter nicht – eine Katastrophe ist immer dramatisch und der Platzregen stets heftig. Ein Adjektiv, das so gut wie immer überflüssig ist, ist das Wort „sehr“. Streich die Adjektive aus deinem Text und schau, ob sie wirklich fehlen oder ob dein Text dadurch klarer und sachlicher wird.

Tipp 5: Mach einen Bogen um Fremdwörter

Für manche Fachbegriffe gibt es kein deutsches Synonym – in diesen Fällen sind Fremdwörter unumgänglich. Vermeide es jedoch, Fremdwörter zu nutzen, nur um besonders schlau zu klingen und deiner Aussage Seriosität zu verleihen. Entscheide dich, wenn möglich, immer für die deutsche Variante: Die Attitüde ist die Einstellung, der Benefit der Vorteil, die Kohärenz der Zusammenhang, die Evaluierung die Auswertung und so weiter.

Der Leser ist König und dein eigener Stil Trumpf

Bei allem, was du schreibst, solltest du stets deinen Leser im Kopf behalten und dich fragen: Versteht er, was ich sagen möchte? Habe ich mich möglichst klar und deutlich ausgedrückt? Kann er meine Aussage problemlos wiedergeben?

Es kann passieren, dass du dich vom Schreibstil deiner Quellen beeinflussen lässt und deren Inhalte auf eine jeweils ähnliche Weise wiedergibst. Das führt zu einem Mix verschiedener Stile in deiner Arbeit. Deshalb ist es wichtig, dass du deinen eigenen Schreibstil entwickelst und ihm treu bleibst.

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