Kognitive Lernmethoden

Kennen Sie die Geschichte vom Schlaraffenland? Dort fliegen einem die gebratenen Täubchen geradewegs in den Mund. Ungerechterweise scheinen einige (wenige) Überflieger eine Dauereintrittskarte in jenes Land der unbegrenzten Völlerei zu besitzen. Es sind diejenigen, denen das Wissen einfach in den Schoß zu fallen scheint.

Kaum hören oder sehen sie eine Tabelle mit Daten, Zahlen oder Fakten – schon haben sie deren Bestandteile verdaut und abrufbereit gespeichert.

Oder sie verschlingen ein Buch nach dem anderen und können den Inhalt ohne Anstrengung wiedergeben.

Andere nicht derart vom Schicksal Begünstigte müssen sich das Wissen erst mehr oder minder mühevoll erarbeiten.

Den meisten Studenten fällt es eher schwer, einen Lernstoff zu strukturieren, sich das verlangte Wissen anzueignen – die schiere Fülle des Materials überwältigt sie und sie verirren sich heillos im Dickicht der Themen und Lerninhalte.

Gerade vor Prüfungen kann der Einsatz effektiver Lernmethoden wie eine Machete wirken, die eine Schneise durch das Chaos schlägt und einen Blick auf das Schlaraffenland freigibt.

Statt auf pures Auswendiglernen von Fachbegriffen, Daten und Fakten setzen kognitive Lernstrategien auf die gedankliche Auseinandersetzung mit Inhalten.

Memorierende Begriffe mit Orten gleichsetzen

Eine gute Methode, Ihre Merkfähigkeit zu verbessern, besteht darin, die zu rekapitulierenden Begriffe mit Orten gleichzusetzen und sich diese dann als Wegstrecke vorzustellen. Erfahrungsgemäß fällt es den meisten Menschen leichter, sich in einer Prüfungssituation an diese Wegstrecke zu erinnern, als einzelne Termini aus der Erinnerung aufzuzählen.

Diese Strategie funktioniert nach dem Prinzip der Kettenbildung, wobei Sie einzelne Elemente aneinanderknüpfen, um die richtige Reihenfolge im Gedächtnis zu behalten.

Lerninhalten eine persönliche Bedeutung zu verleihen

Diese Lernmethode kann ebenfalls dabei helfen, sich einen Stoff besser einzuprägen. Illustrieren Sie komplizierte Sachverhalte, oder auch die dröge Tabelle mit Daten, Zahlen und Fakten, gedanklich mit farbigen Beispielen und malen Sie sich Situationen aus, in denen Sie mit dem Lerninhalt konfrontiert werden oder wo er Ihnen nützlich sein kann.

Mitschreiben bei Vorlesungen

Diese Vorgehensweise gehört ebenfalls zu den kognitiven Lernstrategien. Wichtig ist allerdings, nicht den Wortlaut des Dozenten festzuhalten, sondern sich in eigenen Worten Notizen zu machen. Damit wird die Bedeutung des Gesagten viel transparenter.

Ist Ihnen ein Sachverhalt unklar, stellen Sie Zwischenfragen. So können Sie Verständnisprobleme später im Gespräch mit Kommilitonen thematisieren beziehungsweise Wissenslücken mithilfe von Fachbüchern schließen. Effektive Mitschriften beschränken sich auf das Wesentliche, sind kurz und knapp formuliert, oftmals genügen auch schon einzelne Schlagworte.

Mind-Mapping

Diese Methode eignet sich sowohl für das Strukturieren von Texten als auch für das Ordnen der eigenen Gedanken. Zunächst arbeiten Sie das zentrale Thema eines Textes oder Sachverhaltes heraus, dann bilden Sie Unterthemen und Begriffe, bis der gesamte Inhalt eines Themas erfasst ist.

Mithilfe der grafischen Darstellung Ihrer Gedanken in einer Mind-Map gliedern Sie den Stoff in einprägsame Häppchen. Dabei schreiben Sie die Hauptaussage in die Mitte eines Blattes und gruppieren Nebenaussagen und deren Unterthemen darum herum.

Texte Satz für Satz lesen

Eine weitere Lernmethode besteht darin, einen Text Satz für Satz zu lesen, um gerade schwierige Passagen gedanklich zu durchdringen.

Erstellen Sie ein Exzerpt, indem Sie Informationen, die Sie bei der Lektüre gewonnen haben, auszugsweise wiedergeben.

Zitieren Sie Definitionen, wichtige Begriffe und zentrale Thesen originalgetreu; Hintergründe und komplexe Sachverhalte dagegen fassen Sie in eigenen Worten zusammen.

Das Ziel besteht darin, den Inhalt des Skripts in knappen Sätzen festzuhalten und ihn sich weitgehend bereits beim Schreiben einzuprägen. Im Übrigen können Sie nun das Wesentliche repetieren, ohne den gesamten Text noch einmal lesen zu müssen.

Alles in allem gilt: Vielfalt ist zweifelsohne wirksamer als Einseitigkeit; Wiederholung ist ein absolutes Muss.

Fazit: Wer in jenes märchenhafte Schlaraffenland der Faulen gelangen will, muss derart fleißig sein, dass er das Faulsein darüber vollkommen vergisst.

Im Übrigen ist ein Aufenthalt im Schlaraffenland nicht unbedingt erstrebenswert. So mancher hat sich an gebratenen Täubchen heillos überfressen. Speisen dagegen, die Sie im Schweiße Ihres Angesichts eigenhändig zubereiten, haben einen ganz besonderen Wert.

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