Vom Nutzen der Bachelor- und Masterstudiengänge

Aus dem Blickwinkel von Wissenschaft und Forschung gilt der Bachelorabschluss nicht als volle wissenschaftliche Ausbildung, eher als gründliche Propädeutik. Auf dem Arbeitsmarkt hingegen sind Bachelorabsolventen durchaus gefragt.

Ein abgeschlossenes Bachelorstudium allein hat den Nimbus des nicht ganz vollständigen, irgendwie halb abgebrochenen Studiums. Das ist jedenfalls die vom intern akademischen Beurteilungsstandpunkt geprägte Sichtweise.

Denn während das Bachelorstudium in den meisten Fächern zwar die fachspezifischen Grundlagen und das elementare methodische Handwerkszeug der jeweiligen Disziplinen vermittelt und den betreffenden individuellen Kenntnisstand in zahlreichen Prüfungen abfragt, findet eine fachwissenschaftliche Vertiefung und Spezialisierung in der Regel erst im Laufe der auf den Bachelor aufbauenden Masterstudiengänge statt. (Bei Interesse finden Sie in unserem Artikel zur Master Thesis weiterführende Informationen, worauf bei Erstellung einer Masterarbeit zu achten ist.)

Vielen Arbeitgebern hingegen, besonders in der Wirtschaft, sind Bachelorabsolventen ebenso willkommen wie Bewerber mit einem Mastertitel. Dies gilt insbesondere für das Fach Betriebswirtschaftslehre.

Vertreter von Industrie und Wirtschaft empfehlen, nach dem Bachelorabschluss am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und parallel zur ersten Berufstätigkeit ein Masterstudium zu absolvieren.

Entgegen der eher konservativen Einschätzung vieler Studierender, der Bachelor sei, auch auf dem Arbeitsmarkt, ‚weniger wert‘ als der Master, weisen der DIHK sowie Arbeitgebervertreter darauf hin, dass gerade in der Wirtschaft der ausgeprägte Praxisbezug von Bachelorabsolventen positive Resonanz finde und praxisrelevante Schlüsselkompetenzen durchweg gefragt seien. So ist auch der verstärkte Trend, nach dem Bachelorabschluss ins Berufsleben einzutreten und gleichzeitig die eigene fachwissenschaftliche Ausbildung in einem parallel laufenden Masterstudium fortzuführen, erklärlich.

Etablierung einer Maßstabsdichotomie – der Elfenbeinturm könnte sich befestigen.

Vor dem Hintergrund des erörterten Trends zeichnen sich unterschiedliche Beurteilungsmaßstäbe ab:

Nicht nur für den nominellen ‚Rangwert‘ unterschiedlicher, aufeinander aufbauender Studienabschlüsse, sondern auch hinsichtlich der Wertvorstellungen zu der Frage, was eine wissenschaftliche Ausbildung sei und wozu sie befähige.

Der hemdsärmeligen Aufgeschlossenheit des Arbeitsmarktes gegenüber der vielgerühmten ‚Praxisnähe‘ (was ist eigentlich damit gemeint?) noch nahezu jugendlicher Bachelorabsolventen stehen in den einzelnen Fachwissenschaften die Professoren gegenüber. Jene beharren auf dem Standpunkt, dass die Bachelorstudiengänge wohl fachlich-methodische Grundlagen im modularen Curriculum vermittelten, nicht aber die wissenschaftliche Vertiefung ermöglichten, die erst im Masterstudiengang oder im Zuge einer Promotion stattfinde.

Man sieht: Der akademische Elfenbeinturm könnte in gewisser Weise, entgegen den Intentionen der Bologna-Reform, seine Schutzwälle höher ziehen.

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