Für den schnellen und ohne Hürden stattfindenden Austausch neuester Erkenntnisse ist nicht allein die Kommunikation auf dem Wege elektronischer Vernetzung, sondern auch deren weltweit normierte inhaltliche Fassung in der globalen Einheitssprache Englisch von großem Vorteil – zumindest hinsichtlich aller unter dem Faktor der Effizienz rangierenden wissenschaftlichen Belange.
Zumindest für den naturwissenschaftlichen Sektor gilt das, und so sieht es auch der 24-jährige Oliver Barnstedt, Biologiestudent an der internationalen Bremer Jacobs University. Die Jacobs University versteht sich als internationale Universität nach amerikanischem Vorbild mit Studierenden aus über hundert Nationen, die zu weniger als einem Drittel deutscher Nationalität sind. Unterrichtet wird einheitlich in englischer Sprache, auch die administrative Alltagskommunikation findet in Englisch statt.
Peter Wiegand, Sprecher der Jacobs University, ist davon überzeugt, dass das Konzept einer internationalen Universität ohne einheitliche sprachliche Festlegung auf das Englische in der Praxis, auch im Hinblick auf den Hochschul- und Standortwettbewerb, nicht funktionieren würde. Aus Gründen der Möglichkeit einer internationalen Wissenschaftskarriere wünschten sich viele Studierende eine ausschließlich in Englisch stattfindende Wissenschaftskommunikation. Laut Angaben des DAAD ist in mehr als der Hälfte der international ausgerichteten Bachelor- und etwa zwei Dritteln der Master-Studiengänge sowie strukturierten Promotionsprogramme Englisch die alleinige Unterrichts- und Wissenschaftssprache.
Kritiker befürchten das Aussterben von Deutsch als Wissenschaftssprache. Dagegen regt sich Widerstand.
Es regt sich Widerstand gegen den zunehmenden Bedeutungsverlust des Deutschen als Wissenschaftssprache. Dabei ist wohl auch, aber nicht allein die Furcht vor der nachrangigen Wahrnehmung deutschsprachiger Publikationen im internationalen Wissenschaftsbetrieb, oder gar vor dem völligen Aussterben der Wissenschaftssprache Deutsch ausschlaggebend.
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) warnt in ihrer im vergangenen November veröffentlichten „Empfehlung zur Sprachenpolitik an den deutschen Hochschulen“ nicht nur vor einer Wettbewerbsverzerrung im oben genannten Sinne, sondern weist auch auf die Gefahr hin, dass deutschsprachige Studierende nicht mehr in der Lage sein könnten, ihre Forschungsergebnisse angemessen auf Deutsch darzustellen und sprachlich zu vermitteln.
Dies ist umso besorgniserregender, als umgekehrt gerade ausländische Studierende unter Internationalisierung durchaus verstehen und sich wünschen, Deutsch als Wissenschaftssprache anzuwenden und zu vertiefen. Darauf weist das „Fachbüro für Bildungsmanagement“ (FiB) hin. Dass die angestrebte Internationalisierung und Förderung interkultureller Erfahrungen durch das Ausblenden der deutschen Sprache nicht gerade gefördert wird, ist in diesem Zusammenhang eine unmittelbar einleuchtende Tatsache.
Studierenden, die deutschsprachig aufgewachsen sind, fehlen die Worte, wenn sie Inhalte ihrer Wissenschaft in ihrer Muttersprache zu formulieren versuchen.
Dorothea Rüland, Direktorin des DAAD, fordert die Umsetzung des akademischen Ideals der Mehrsprachigkeit, sieht aber auch das Problem der Finanzierbarkeit zusätzlicher Sprachkurse. Der Wissenschaftsautor Stefan Klein meint, dass zumindest ein Teil der Studieninhalte auf Deutsch unterrichtet werden sollte.
Überdies würden die zur Wissenschaftskommunikation erforderlichen rhetorischen Fähigkeiten zum Stil und zur Vortragskunst vernachlässigt, so dass zu befürchten sei, dass deutschsprachige Studierende Inhalte ihrer Wissenschaft nicht mehr auf Deutsch darzulegen vermöchten. Das bestätigt Anne Valtink, Studentin an der Jacobs University, die einräumt, dass es ihr oft nicht gelinge, im Gespräch englischsprachige Fachtermini ad hoc in adäquate Begriffe ihrer Muttersprache zu übertragen.
(Nach: FAZ vom 21./22. Januar 2012; Florian Vollmers)
