„Früher war mehr Lametta!“ Die sich leicht überschlagende Stimme von Loriots etwas schrulligem Großvater, der in seniler Altmännertradition nicht nur den allzu natürlichen Weihnachtsbaum beanstandet, sondern zu allem Überfluss auch noch gezwungen ist, für sein Enkelkind in das Weihnachtsmannkostüm zu schlüpfen, ist jedem Loriot- und Weihnachtsliebhaber oder aber Weihnachtsmuffel nur zu gut in Erinnerung.
Doch während Loriots Sketch „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ in Zeiten des deutschen Wirtschaftsbooms spielte, inklusive aufkeimenden Umweltbewusstseins, deutscher Gemütlichkeit und loriotesken Spielzeug-Atomkraftwerken, sind die Gürtel im heutigen Krisen-Deutschland denkbar enger geschnallt. Da kommt vor allem Studenten die Weihnachtszeit gerade recht, denn Weihnachtsmänner haben nach wie vor Konjunktur und werden (wichtig!) vergütet.
Diese saisonale Arbeit erfordert kaum Vorkenntnisse: Man muss sich höchstens ein Kostüm leihen bzw. besonders warm anziehen für den Christbaum- und Glühweinverkauf und sich dann bei der Bundesagentur für Arbeit oder den Studentenwerken als weihnachts- und arbeitsbereit melden.
Besondere Fähigkeiten? Die Studierenden sollten etwas schauspielerisches Geschick beweisen und natürlich Einfühlungsvermögen bei ihren Besuchen in den weihnachtlichen Stuben. Neben dem 6. Dezember werden sie nämlich vor allem am Heiligabend gerne gebucht, um die jüngeren Kinder mit Geschenken (und manchmal Tadel) zu überraschen.
Letztes Hindernis: die Kinderwünsche. Da müssen die zukünftigen Weihnachtsmänner technisch und gamerisch up to date sein, wenn dann auf der Wunschliste steht „THQ Wii Smackdown“, „Dragon Ball Budokai“ oder „War Republic Heroes“ – manche Weihnachtsmänner der älteren Generation gehen mit diesen Wünschen allerdings auch etwas strenger um (der Beweis).
Wo aber können sich Studenten als Weihnachtsmann oder Engel bewerben, und was springt dabei raus? In Berlin beispielsweise werden die Stellen von den „Heinzelmännchen“ vermittelt, einer Arbeitsvermittlung des Berliner Studentenwerks. In anderen Bundesländern übernimmt das teilweise auch die Bundesagentur für Arbeit, die dann die Stellen ausschreibt. Danach muss der angehende Weihnachtsmann oder Engel sich mit den Familien in Verbindung setzen, um den Termin zu vereinbaren, herauszufinden, wie die Kinder heißen, wie alt sie sind und ob sie brav oder unartig gewesen sind. All diese Informationen sollen dann natürlich in das Spiel am Heiligabend mit einfließen. Gut bezahlt ist der Auftritt auch: in einem Zeitraum von circa 14 bis 20 Uhr verdienen Studierende um die 450 Euro, berichtet die Berliner Zeitung.
Studenten, die Zweifel an ihren Weihnachtsmann-Qualitäten haben, können spezielle Workshops für Neulinge besuchen, in denen die Grundlagen vermittelt werden – namentlich tief lachen, ein bisschen streng gucken, nicht über den Geschenkesack stolpern und was ansonsten noch nützlich beim weihnachtlichen Hausbesuch ist.
Anscheinend ist der Job aber nicht mehr so beliebt wie noch vor einigen Jahren: Während 2001 beispielsweise in Stuttgart noch 670 Weihnachtsmänner vermittelt wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch 190, schreibt die FAZ. Vielleicht spielen die Familienmitglieder in Zeiten der Krise doch lieber selbst den Mann mit dem weißen Rauschebart.
